Ein Stück Fluggeschichte hautnah – Ein Tag auf den Spuren der Transall

Die Transall begleitete Patricia Baumeister bereits seit ihrer frühen Kindheit. „Sie gehört im Luftraum rund um meine Heimatorte zum Himmelsbild und hat irgendwie auch den Wunsch in mir ausgelöst, selbst zu fliegen.“
Mit 14 Jahren begann Patricia schließlich auf dem Fliegerhorst Penzing ihre Segelflugausbildung. Bis heute hat sie neben Segelflugzeugen auch viele Stunden auf Ultraleichtflugzeugen geflogen. Das Lufttransportgeschwader 61 war dabei stets präsent. Bundeswehr und Sportflieger müssen sich in Penzing arrangieren und so war es immer wieder störend, wenn die Segelflieger aus Sicherheitsgründen den Flugbetrieb einstellen und die Landung oder den Start einer Transall abwarten mussten. Gleichzeitig war und ist es aber auch ein tolles Ereignis, wenn die großen Transportmaschinen mächtig an den kleinen Segelflugzeugen vorbei rollen und die Besatzung lässig den Sportfliegern zuwinkt, so beschreibt es Patricia.

Kein Wunder also, dass bei der jungen Pilotin schon früh der Wunsch entstand, in so einem besonderen Fluggerät mitzufliegen. Als bekannt wurde, dass die Transall durch den Airbus A400 M abgelöst werden sollte, fasste Sie den Entschluss, dieses Flugzeug noch vor der Ausmusterung im Fluge zu erleben. Doch so einfach ist das gar nicht, wie sich schnell herausstellte. „Der Mitflug in militärischen Luftfahrzeugen ist auf militärisches Personal und Politiker beschränkt.“, so die Reaktion auf Patricias erste Anfragen in Penzing. In die Politik gehen? Oder doch zur Bundeswehr? Beides hätte zu lange gedauert und schließlich hatte Patricia gerade ihr VWL- Studium begonnen.

Transall-Flug Gruppenfoto

Schnell waren weitere Fliegerkameraden von der Idee, Transall zu fliegen, angesteckt und nach einigen Forschungen im Bekanntenkreis wurde das Vorhaben schließlich auch von Angehörigen des Geschwaders LTG 61 erhört. „Max“, wie ihn seine Transallkollegen nennen, war Patricias wichtigste Kontaktperson. Fast zwei Jahre lang unterstütze er sie bei vielen Formalitäten, die es innerhalb der Bundeswehr zu erledigen galt. Alles, um im Sinne der Fliegerkameradschaft einen Mitflug für Jugendliche Flieger zu ermöglichen.

Auf einen Ordner voller Schriftstücke, die weit über den Fliegerhorst hinaus versendet wurden und einen eigenen Datenspeicher für die vielen E-Mails folgte schließlich die Zusage. Wie es Patricia letztendlich geschafft hat? „Mit sehr viel Hartnäckigkeit.“, antwortet Beatrice Baumeister, Patricias stolze Schwester, ebenfalls Segelfliegerin in Landsberg.

Am 22. September 2014 trafen sich also 20 Jugendliche Funktionsträger des Luftsportverbandes in Bayern sowie Vereinsmitglieder der Flugsportgruppe Landsberg am Fliegerhort Penzing. Von Beginn an wurde die ganze Gruppe sehr gut von der Bundeswehr betreut. Nach einer kurzen Busfahrt hieß es im Warteraum erst einmal Geduld zu wahren. Die Transall, welche für den Praktikantenflug reserviert war, musste erst von einem Übungsflug zurückkehren. Dann ging alles ganz schnell. Auf dem Weg zum Flugzeug gab es eine kurze Sicherheitseinweisung und die Personalausweise wurden kontrolliert, bei der Bundeswehr hat schließlich alles seine Ordnung. Einsteigen, Anschnallen und dann die Frage: „Rollen wir eigentlich schon?“. Die wenigen, kleinen Fenster in der Transall, konnten in der Sitzposition nicht genutzt werden und so war bei Start und Landung die Wahrnehmung etwas verändert. Sobald der Steigflug beendet war, wurde es jedoch auch möglich, im Flugzeug herumzulaufen. Alle Beteiligten konnten sogar einen Blick ins Cockpit werfen. Das enthält dann doch ein paar mehr Instrumente und Knöpfe als ein einfaches Segelflugzeug. Nach einer halben Stunde Flug setzte der derzeitigen Kommodore des LTG 61, Oberst Bestgen, der die Maschine persönlich flog, wieder zur Landung an und brachte die begeisterten Flugsportler sicher zurück auf den Boden.

Im Anschluss an den Flug wurde die Gruppe von OSFw Baumann, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit, zum Mittagessen in das Offiziersheim begleitet, bevor das Programm um eine Staffelführung inklusive Vortrag über die fliegerische Geschichte des Bundeswehrstandorts ergänzt wurde. So konnten neben dem Flugerlebnis auch Einblicke in die Flugvorbereitung und die am Boden notwendige Organisation gewonnen werden.

Der Tag am Fliegerhorst Penzing und ganze besonders der Flug in der Transall wird für alle Jugendlichen ein ganz besonderes Erlebnis in ihrer Fliegererinnerung bleiben. Besonders für Patricia ist ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen. Ein besonderer Dank gilt an dieser Stelle der Bundeswehr für diese einmalige Möglichkeit.

Julia Baumann

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